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Brief info

Hulda von Gersdorff, Schwester des Landvogts von Görlitz, diente 1343 als Spionin für den Erzbischof von Mainz und traf in Meißen Dietrich von Harxburg sowie Gottfried von Schwarzfelden. Ihre präzisen Nachrichten über Wettiner-Routen beeinflussten Belagerungen in Thüringen; enttarnt floh sie nach Mainz, doch ihre Liebe zu Dietrich legitimierte sich später auf der Harxburg. Aus ihrer Verbindung gingen Söhne Valentin (geb. ~1353) und Konstantin (geb. ~1357) hervor; 1363 lebte sie als Freifrau dort, gezeichnet von Geheimnissen und Mut.

Vita

Hulda von Gersdorff wuchs in einer Welt, in der Burgen mehr sagten als Worte. Als Schwester des Christian von Gersdorff, des Landvogts der Görlitzer Provinz, kannte sie die Sprache der Siegel und die Kunst, zwischen Höflichkeit und List zu wandeln. Sie war nicht für das stille Leben am Herd geschaffen; ihr Verstand suchte die Ränder der Macht, und ihr Herz suchte mehr, als die Chroniken ihr zugestehen wollten.

Im Frühjahr 1343 traf das Schicksal sie in Meißen. Das Gefolge des Erzbischofs von Mainz zog durch die Stadt, und unter den Rittern, die den Begleitschutz des Erzbischofs für die Reise von Mainz nach Meißen stellten, waren Freiherr Dietrich von Harxburg und sein Gefährte Gottfried von Schwarzfelden. Dietrich, Herr eines Lehens in Harxheim in Rheinhessen mit eigener Burg, trug die Ruhe eines Mannes, der Verantwortung kannte; Gottfried die Wachsamkeit eines Mannes, der Bündnisse schmiedete. Hulda, die zwischen den Höfen verkehrte, begegnete ihnen in einem Saal, wo Kerzenflackern und leise Intrigen die Luft erfüllten. Worte wurden gewechselt, Blicke verweilten — und etwas Unausgesprochenes begann.

Hulda diente dem Erzbistum Mainz auf eine Weise, die Frauen selten zugeschrieben wurde: Sie spionierte. Unter dem Vorwand höfischer Besuche suchte sie das Haus des Landgrafen Friedrich II. von Wettin auf, lauschte Dienern, beobachtete Wachen und notierte Wegzeiten und Versorgungsrouten. Die Nachrichten, die sie heimlich an den Erzbischof und über ihn an den Grafen von Schwarzburg weitergab, waren präzise und brisant. Eine ihrer Mitteilungen, so flüsterte man, veränderte 1343 den Verlauf einer Belagerung in Thüringen; Truppen wurden umgeleitet, Nachschub unterbrochen, und die Rebellen gewannen Zeit, die sie dringend brauchten.

Während sie die Karten der Mächtigen las, veränderte sich etwas in Hulda selbst. Dietrich von Harxburg, der stille, standhafte Ritter, wurde mehr als ein Verbündeter. In den Nächten, wenn Gespräche in Rauch und Wein versanken, fand Hulda in ihm einen Gegenpol zu der Einsamkeit, die ihr Amt mit sich brachte. Ihre Liebe war nicht die laute Leidenschaft der Minnesänger, sondern eine leise, gefährliche Vertrautheit: gemeinsame Blicke über Karten, geteilte Sorgen um Männer, die in Schlachten fielen, und die Hoffnung auf ein Leben jenseits der Intrigen.

Doch List hat scharfe Kanten. Abgesandte der Wettiner erkannten Hulda — ein Wappen, ein Name, ein Diener, der zu viel wusste. Die Gefahr war unmittelbar: Gefangennahme, Folter, öffentliche Demütigung. In jener Nacht, als die Schatten länger wurden, floh Hulda im Gefolge des Erzbischofs zurück nach Mainz. Dietrich blieb zurück, zerrissen zwischen Treue zu seinem Lehen in Harxheim und der Liebe, die er nicht offen zeigen konnte.

Die Jahre danach brachten eine seltsame Versöhnung von Politik und Privatem. Hulda und Dietrich fanden Wege, ihre Verbindung zu legitimieren; die Harxburg wurde zu ihrem Heim. Aus ihrer Verbindung gingen zwei Söhne hervor: Valentin, geboren um 1353, und Konstantin Valentin, geboren um 1357. Im Jahr 1363 lebte Hulda auf der Harxburg; Valentin war zehn Jahre alt, Konstantin Valentin sechs.

Gezeichnet von Geheimnissen und zugleich gestärkt durch Liebe und Mut, blickt auf eine Zukunft, die weder Ruhm noch Sicherheit garantiert, aber die Hoffnung auf ein Leben, das sie selbst gewählt hat.

So bleibt die Freyin Hulda von Gersdorff eine Gestalt zwischen den Zeilen der Geschichte: Spionin und Geliebte, Tochter des Nordens und Verbündete des Erzbischofs, deren Taten das Schicksal ganzer Häuser berührten und deren Herz in den Mauern der Harxburg eine Heimat fand.