Replikat einer Messerscheide für ein Vorlegemesser aus dem frühen 15. Jahrhundert.

von Gottfried von Schwarzfelden

Hi, mein Name ist Gottfried von Schwarzfelden, der Lederer der Weinbergritter.

Mich fasziniert es immer wieder, was Handwerker vor 500 Jahren herstellen konnten. Vor allem ziehen mich die Lederarbeiten immer wieder in den Bann.

Bei unseren Recherchen zu verschiedenen Gebrauchsgegenständen aus dem späten 14. und frühen 15. Jahrhundert, ist das Online Archiv des „British Museum of London“ immer wieder eine wahre Pfundgrube wenn es um verlässliche und nachweisbare Quellen geht. So stieß ich bei meinen Streifzügen durch das Archiv auf eine Messerscheide für ein Vorlegemesser (British Museum of London) die ca. 1406 bis 1410 entstanden sein soll.

© The Trustees of the British Museum. Shared under a Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International (CC BY-NC-SA 4.0) licence.

Die handwerkliche Meisterleistung, insbesondere die filigran punzierten Details faszinierten mich und mein Ehrgeiz wurde gepackt.

So übertrug ich ein erstes Muster auf Pergamentpapier um zu verstehen, wie man so feine Details punzieren konnte. Nach mehreren Versuchen hatte ich endlich eine brachbare Vorlage, die ich dann auf ein paar Reststücke vegetabil gegerbtem Rindsleder übertrug (Kleiner Tipp- Leder anfeuchten Pergamentpapier drauflegen und mit einen „Kugelstift“ übertragen – funktioniert!).

Nachdem das Leder getrocknet war, schnitt ich die ersten Linien mit einem Swivel Knife nach. Es folgte nun das eigentliche punzieren.

Der Versuch brachte schon ein akzeptables Ergebnis, war aber immer noch zu grob und spiegelte noch nicht die Detailfeinheit der Vorlage wieder. Es folgte ein weiterer Versuch und nun wollte ich mir die richtige Messerscheide vornehmen.

Das war schon eine ganze andre Sache allein die feinen Linien richtig zu schneiden und dann noch so zu punzieren das man nicht mit der einen Punzierung die andere wieder kaputt macht. – Also echten Respekt vor unseren Vorfahren.

Nach mehreren Stunden mit Lupenbrille hatte ich ein Ergebnis was zwar nicht 100% dem Original entsprach aber dem sehr nahekam.

Dann wollte ich die Scheide formen, hatte mit ein dünnes Stück PLEXIGLAS(R) zurecht geschnitten in Ermangelung eines passenden Messers, um die Scheide darum zu formen aber ich merkte ich hatte zu dickes Leder genommen.

Nach allem bemühen die Scheide in die richtige Form zu bringen hatte ich meine ganze Punzierung wieder rausgedrückt! Also das ganze noch mal von vorne!

Diesmal mit dünnerem Leder (1,8mm) und weiteren Stunden mit der Lupenbrille und diesmal klappte es.

Nach dem vernähen und mit etwas dem behandeln mit „Pro Resit“ und etwas „Antik Finish“ war ich zufrieden.

Und hier das Ergebnis:

Es ist zwar kein richtige Copy des Originals, in Bezug auf die Größe des Originals und der Anzahl der zu verstauenden Messer. Aber ich bin sehr zufrieden damit. Jetzt muss ich bloß mal schauen ob ich irgendwann das passende Messer dazu finde ;-).

Ich hatte meinen Spaß und werde weitere Replikate nach historischen Originalen oder nahekommende Lederarbeiten anfertigen. Die entsprechende Literatur liegt auch schon bereit und ich werde neue alte Techniken ausprobieren, wie zum Beispiel erst die Messerscheide um das Messer formen und danach punzieren. Mal sehen wie das funktioniert. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Gottfried von Schwarzfelden