Vita
Dietrich von Harxburg wurde im Jahr 1313 in Harxheim geboren, einem Dorf südlich von Mainz, dessen Felder und Weinberge in den Rheinhandel eingebunden waren. Ehemann von Freifrau Hulda von Gersdorff und Vater zweier Söhne von zehn und sechs Jahren die alle die Pestjahre unbeschadet überstanden hatten. Er entstammte einem kleinen, aber alt eingesessenen Reichsrittergeschlecht- die Herren über die Harxburg. Ihre Burg stand auf einem Plateau oberhalb des Dorfes—klein, aber mit ihrem steinernen Wehrgang und sicheren Bergfried.
Dietrich ist der Sohn von Dietmar von Harxburg, dem letzten Komtur des ersten Hauses des Thomasordens an der Ostseite Akkons, nahe beim Hospital der Deutschen. Der Vater kämpfte beim Fall von Akkon und wurde verwundet, als die Mauern im Jahr des Herrn 1291 brachen und die Fahnen den Sand berührten. Rudewin von Flomborn, ein Ritter des Deutsche Ordens rettet Ihm das Leben. Mit dem Fall Akkons vereidete ihn der letzte Großmeister des Thomasordens von Akkon Roger de Baggishouse mit dem Schutz des Thomaskreuzes. Die Relique ziert mittig ein schwarzes Kreuz mit weisser Muschel auf weißem Grund. Das Thomaskreuzes gilt als Zeichen der langjährigen Verbundenheit zwischen den beiden Orden und wird von beiden verehrt. Dietmar von Harxburg und Rudewin von Flomborn kehrten Seite an Seite in die Heimat zurück. Seitdem steht das Thomaskreuzes unter dem Schutz der Familie von Harxburg. Rudewin von Flomborn wurde in späteren Jahren der Komtur des Deutschen Ordens zu Ober‑Flörsheim und stand im Namen der Deutschherren für den Schutz „für Kreuz und das Haus derer zu Harxburg“.
Dietrich selbst wuchs in einer Übergangszeit auf, in der sich die Reichsverfassung und die Macht am Rhein neu ordneten. 1346 setzte Papst Clemens VI. den Mainzer Erzbischof Heinrich von Virneburg ab und ließ Gerlach von Nassau zum neuen Erzbischof providieren und weihen; im selben Jahr wählten die Kurfürsten in Rhens Karl von Luxemburg zum König– eine Weichenstellung, die Dietrichs spätere Loyalität zu Karl IV. begründete.
In der Fehdelage der 1350er Jahre zwischen Gerlach von Nassau und Kuno von Falkenstein lernte Dietrich den Umgang mit dem Langen Schwert, jener neuen, doppelschneidigen Klinge, die im vergangenen Jahrzehnt die hohen Waffenränge und Schulen des Reiches veränderte. Dietrich wurde Ihr Meister und unterhielt eine Fechtschule unterhalb der Harxburg.
Die Welt um Harxheim ist verlässlich und in Bewegung zugleich. Karl IV. hatte 1356 die Goldene Bulle erlassen. Sie stärkt zugleich zentrale landesherrliche Souveränitätsrechte wie Münze, Steuer und Gericht, was Dietrichs Hauslage unmittelbar berührte: Das seit älterer Zeit gehaltene Münzrecht derer zu Harxburg wurde von Karl IV bestätigt, wodurch Kleingeldumlauf und Abgaben im Harxheimer Umkreis rechtlich gesichert wurden. 1358 schlossen Mainz, Trier und die Pfalz einen Zollbund zur Sicherung des Flusshandels. Die Freiherren von Harxburg hielten in der Nähe zu den Ordenshäusern und zur Mainzer Kanzlei im rechtlich gesicherten Kreis von Geleit, Zoll und Gericht.
Netze aus Bündnissen lagen nun über dem Hügelland: Dalberg aus dem Wormsgau kam als verlässlicher Nachbar, die Raugrafen vom Alsenzknie achteten auf altes Truchsessenrecht in Alzey, Sponheim wahrte an der Nahe seine Linie, Leiningen hielt Vogteien. Man trifft sich an den Rhein-Zolltagen, spricht über Geleit und Pfandschaften. Der Deutsche Orden hält seine Komtureien zusammen—Ober‑Flörsheim unter Schutzbriefen, Oppenheim als Knoten zwischen Burg und Stadt, Ibersheim als Wirtschaftshof mit weiten Absatzwegen. Alles gehört zu jenem Gewebe, in dem auch die Harxburg einen festen Faden bildet.
Und so standen die Freiherren von Harxburg zusammen mit dem Bund der Ritter der Weinberge als Hüter des Thomaskreuzes 1363 zusammen für das, was kommt, getragen von Bündnis mit Karl IV., von Freundschaft mit dem Deutschen Orden und von der stillen, täglichen Arbeit eines Ritters im Rheinhessen des 14. Jahrhunderts.