Vita
Johanna von Wartenberg entstammte einem kleineren rheinhessischen Adelsgeschlecht, das seit Generationen Weinberge und Hofrechte rund um Alzey verwaltete. Ihre Familie pflegte alte Bande zu Ritterhäusern entlang des Rheins und zur Harxburg über Harxheim.
Als die Pest im Jahr 1352 ihr Elternhaus auslöschte, brach die alte Fehde mit den Herren von Dagsburg wie ein trockenes Dornenfeuer neu auf. Johanna wurde aus dem angestammten Land gedrängt, floh mit wenigen Habseligkeiten in die Komturei des Deutschen Ordens zu Ober‑Flörsheim. Komtur Rudewin von Flomborn gewährte ihr Schutz. Der betagter Prior des Ordens erkannte in ihr die Verwandte jener Freifrau Gabriele, die seit 1350 auf der Harxburg residierte. Auf Rudewins Bitten—und im Andenken an seine Weggemeinschaft mit Dietmar von Harxburg, dem einstigen Komtur des Thomasordens—öffnete Reichsritter Dietrich von Harxburg die Pforten seiner Burg.
So kam Johanna an einen Ort, der nicht von Geschichten lebte, sondern von Regeln: Wort und Recht. In der Kapelle ruhte das Thomaskreuz, eine Reliquie, die Dietmar nach dem Fall von Akkon heimgetragen hatte. Unter dem Wehrgang lehrte Dietrich die Schule des Langen Schwerts—nicht zur Schaustellerei, sondern um Willkür zu bändigen. Johanna lernte die kleine Wehr, den Umgang mit Truhe, Siegel und Rechnungsband.
Im Herbst 1357 legte auch Johanna die Hand auf das Thomaskreuz. Dietrich von Harxburg, Gottfried von Schwarzfelden, Alexander von Au und der Prior von Ober‑Flörsheim bezeugten ihren Eid. Fortan war sie nicht mehr die Geflüchtete, sondern eine Hüterin des Kreuzes, die Zählerin der Geleitpfennige. Ihr Wappen zeigte keine lärmende Trophäe, sondern einen Weißen Stern auf Grünen Grund —Zeichen einer stillen, verlässlichen Macht.